Notdienst in Hessen: Diese Anlaufstellen helfen nachts

Notdienst in Hessen: Diese Anlaufstellen helfen nachts

Es ist zwei Uhr morgens, das Kind hat hohes Fieber, oder der Rücken macht plötzlich nicht mehr mit. In solchen Momenten zählt jede Minute, und die Frage ist immer dieselbe: Wo bekomme ich jetzt Hilfe? In Hessen gibt es dafür ein gut ausgebautes Netz aus Bereitschaftsdiensten, Notaufnahmen und spezialisierten Rufnummern. Das Problem ist weniger das Angebot als das Wissen darüber. Wer die richtigen Stellen kennt, spart sich unnötige Fahrten und entlastet gleichzeitig überfüllte Krankenhäuser.

Der ärztliche Bereitschaftsdienst: erste Adresse bei nicht lebensbedrohlichen Beschwerden

Die Rufnummer 116 117 ist bundesweit der zentrale Zugang zum kassenärztlichen Bereitschaftsdienst. Sie gilt rund um die Uhr, an Wochenenden und Feiertagen. Über diese Nummer vermittelt die Kassenärztliche Vereinigung Hessen entweder einen Hausbesuch, einen Termin in einer Bereitschaftspraxis oder gibt telefonischen Rat. Der Dienst ist ausdrücklich für Fälle gedacht, die nicht lebensbedrohlich sind, aber trotzdem nicht bis zum nächsten Werktag warten können.

Bereitschaftspraxen gibt es in Hessen an mehreren festen Standorten, häufig direkt an größeren Krankenhäusern angegliedert. In Frankfurt etwa befindet sich eine solche Praxis am Universitätsklinikum. In Kassel, Darmstadt und Wiesbaden sind ähnliche Anlaufstellen eingerichtet. Wer sich unsicher ist, ob sein Anliegen in die Bereitschaftspraxis oder in die Notaufnahme gehört, liegt mit dem Anruf bei der 116 117 immer richtig, weil die Mitarbeiter dort einschätzen, welche Versorgungsstufe nötig ist.

Notruf 112: wann die Feuerwehr und der Rettungsdienst gefragt sind

Die 112 ist für echte Notfälle reserviert: Bewusstlosigkeit, Herzinfarkt, schwere Verletzungen, Schlaganfall, Atemnot. Der Rettungsdienst in Hessen ist nach dem Hessischen Rettungsdienstgesetz organisiert, das die Landkreise und kreisfreien Städte als Träger verpflichtet. Die gesetzliche Hilfsfrist, also die Zeit zwischen Eingang des Notrufs und Eintreffen des Rettungsmittels, beträgt in Hessen in der Regel zwölf Minuten. In ländlichen Gebieten wie dem Vogelsbergkreis oder dem Waldecker Upland kann diese Zeit strukturell bedingt länger sein.

Wer die 112 wählt, sollte ruhig und präzise antworten: Wo genau ist der Notfall, was ist passiert, wie viele Personen sind betroffen, ist die Person ansprechbar? Die Leitstelle entscheidet dann, ob ein Notarzt zusätzlich zum Rettungswagen geschickt wird.

Apotheken-Notdienst: Medikamente auch nach Ladenschluss

Nicht jeder Notfall erfordert eine ärztliche Behandlung. Manchmal fehlt schlicht ein dringend benötigtes Medikament. Apotheken in Deutschland sind gesetzlich verpflichtet, einen rollierenden Notdienst sicherzustellen, sodass zu jeder Stunde mindestens eine Apotheke in zumutbarer Erreichbarkeit geöffnet ist. Welche das gerade ist, steht auf einem Aushang jeder geschlossenen Apotheke, lässt sich aber auch schneller digital ermitteln. Eine praktische Übersicht bietet zum Beispiel apotheken-atlas.de, wo man nach Postleitzahl oder Ort suchen kann. Der Notdienstbeitrag beträgt aktuell 2,50 Euro pro Einkauf, unabhängig davon, was gekauft wird.

Wer nachts dringend verschreibungspflichtige Medikamente benötigt, braucht dafür ein gültiges Rezept. Der ärztliche Bereitschaftsdienst kann in solchen Fällen auch Rezepte ausstellen, telefonisch oder beim Hausbesuch. Es ist also sinnvoll, zuerst die 116 117 anzurufen und dann die nächste Notdienstapotheke aufzusuchen.

Giftnotruf und psychosoziale Krisen: spezialisierte Leitungen

Für vergiftungsverdächtige Fälle, etwa wenn ein Kind unbekannte Tabletten geschluckt hat oder jemand versehentlich ein Reinigungsmittel getrunken hat, gibt es den Giftnotruf Mainz, der auch für Hessen zuständig ist. Die Nummer lautet 06131 19240, sie ist ebenfalls rund um die Uhr erreichbar. Dort arbeiten Toxikologen, die einschätzen können, ob sofortiges Handeln nötig ist oder Entwarnung gegeben werden kann.

Psychische Krisen, Suizidgedanken oder akute seelische Notlagen lassen sich über die Telefonseelsorge abfangen, erreichbar unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, kostenlos und anonym. Wer jemanden kennt, der sich in einer solchen Situation befindet, sollte wissen, dass dieser Dienst nicht nur für Betroffene selbst gedacht ist, sondern auch für Angehörige und Bekannte, die nicht wissen, wie sie helfen sollen.

Kinder- und Jugendärztlicher Notdienst

Eltern stehen bei kranken Kindern oft vor der Frage: Notaufnahme oder abwarten? Für Hessen gibt es in einigen Städten separate kinder- und jugendärztliche Bereitschaftsdienste. In Frankfurt ist das Kinderkrankenhaus Sachsenhausen eine wichtige Anlaufstelle. Die allgemeine 116 117 vermittelt aber auch hier weiter und kann einschätzen, ob ein Kind sofort in eine Notaufnahme muss oder ob die Bereitschaftspraxis ausreicht.

Grundsätzlich gilt: Fieber allein ist bei Kindern über sechs Monaten selten ein Notfall. Kritisch wird es, wenn das Kind kaum noch ansprechbar ist, Krampfanfälle hat, sich ein Hautausschlag mit kleinen roten Punkten zeigt, die nicht wegdrückbar sind, oder wenn das Fieber bei Neugeborenen unter drei Monaten über 38 Grad steigt.

Auf einen Blick: die wichtigsten Nummern

  • 112: Rettungsdienst und Feuerwehr, lebensbedrohliche Notfälle
  • 110 : Polizei
  • 116 117: Ärztlicher Bereitschaftsdienst, nicht lebensbedrohlich
  • 06131 19240: Giftnotruf Mainz
  • 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222: Telefonseelsorge, kostenlos

Das Bundesministerium für Gesundheit empfiehlt grundsätzlich, bei Unsicherheit zuerst den ärztlichen Bereitschaftsdienst zu kontaktieren, bevor man eine Notaufnahme aufsucht. Das entlastet das System und stellt sicher, dass schwer Erkrankte dort schneller behandelt werden. Wer diese Übersicht einmal abspeichert oder ausdruckt, ist im Ernstfall deutlich besser vorbereitet als die meisten.