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300 Jahre nach Royer-ein Hessener Volksschullehrer

300 Jahre nach Royer- ein Hessener Volksschullehrer auf Royers Spuren

Joachim Däumler, Hessen 2017

Im November 2016 erhielt ich von Herrn Dr. Karl Sanders eine Anfrage betreffs meiner Literatursammlung zum Hessener Lustgarten. Er arbeitete an einer Harz/Brocken-Bibliographie und interessierte sich für eine von mir erwähnte historische Schrift.

Wenige Tage später schickte er mir dankenswerterweise zwei bemerkenswerte Beiträge. Es handelte sich um die „Braunschweigische Heimat; Zeitschrift für Natur- und Heimatpflege, Landes- und Volkskunde, Geschichte, Kunst und Schrifttum Ostfalens“ von Juni und Dezember 1973. Verfasser war Wilhelm Osterloh, ein, wie ich bei google herausfand, Volksschullehrer aus Braunschweig und „ein großer Botaniker und Orchideen-Spezialist“.

Im seinem Artikel im Heft 2 Juni 1973 schreibt Osterloh über die Burg Hessen, die Herzoginnenwitwen Hedwig und Elisabeth und Royer, den hervorragenden Gärtnermeister und den berühmten Hessener Lustgarten. Und das Royer in seinem berühmten Buch über den Lustgarten auch über einen Springbrunnen und andere Wasserspiele berichtet. Woher kam das Wasser? Royer beschreibt auch das.

Und dann schreibt Osterloh:

„Aus eigener Anschauung von 1933 bis 1941 berichte ich: Am Nordostrande des Großen Fallsteins über Hessen entspringt eine starke, schon lange nicht mehr sichtbare Quelle in einem feuchten, schluchtartigen Waldteil mit üppiger Flora. Ihr Wasser wird etwas abwärts im Wasserbehälter gesammelt und dient der Wasserversorgung Hessens. ln ganz alten Zeiten, vor Royer, floß das Wasser als Bach dem Ort zu und mündete in die Hessener Aue, die, aus dem Harzvorland kommend, bald in den Schiffgraben mündet. Der Bach hieß, und so heißt noch jetzt eine Straße am Nordwestrande Hessens, "Hillenbeeke" (- schneller Bach).“

Wilhelm Osterloh hat also von 1933 bis 1941 in Hessen als Volksschullehrer gearbeitet und gelebt. Der Hessener Rolf Gebensleben wusste sogar noch sein Geburtsdatum (10.10.1903) und das seiner Frau Elisabeth (18.08.1905). Gewohnt hat die Familie Osterloh in Hessen, An der Kirche 4. Möglicherweise ist die Familie Osterloh 1941, nach dem Gebietsaustausch zwischen Hornburg, Roklum und Papstdorf, Hessen im Zuge der Salzgitterverträge wieder zurück nach Braunschweig gegangen. Er erwähnt diese Verträge in seinem Artikel.

Im Dezember Heft 1973 der Zeitschrift „Braunschweigische Heimat“ schreibt Osterloh über „Johann Royers Beobachtungen über die Pflanzenwelt des nördlichen Harzvorlandes und des Brockens im 17. Jahrhundert“.

Fallstein, Großer Heytesberg, das Moraß oder Bruch, den Klotzberg, die Alte Asseburg, den Hüe, Blockesberg Gaterschlebischen See und Berg hat Royer bereist.

Osterloh schreibt:

„Kl.Fallstein, Elm, Schimmerwald und Heeseberg erwähnte er nicht. Sie lagen für den Füßgänger Royer zu weit ab. Der direkte Weg nach dem Kleinen Fallstein von Hessen quer durch den Großen Fallstein, über Ackerfluren und weitgehend pfadlos, den ich oft ging, mag damals zu schwierig und gefährlich gewesen sein.“

Osterloh ist also auch außerhalb Royers Spuren unterwegs gewesen. Die besondere Leistung Osterlohs als Botaniker liegt aber gerade darin, 300 Jahre nach Royer noch einmal die Flora dieses Gebietes untersucht zu haben. Besonders intensiv widmet er sich in seinem Bericht dem Gebiet des [Großen] Fallstein.

„Die Besprechung aller von Royer genannten Räume ist unmöglich. So behandele
ich eingehend den Fallstein, den wir, Royer und ich mit einem Zeitabstand
von rund 300 Jahren, wohl am meisten aufsuchten. Von Hessen ist er zu Fuß in
20 bis 25 Minuten erreichbar.“

Abbildung: Wilhelm Osterloh starb 1982 - - Foto aus 30 Jahre Braunschweiger Floristentreffen, Dietmar Brandes, 29.November 2014

Hinweis in eigener Sache:

Im Jahre 2011 habe ich unter dem Titel „Die Pflanzen des Fallstein-Gebietes 1648 und heute“ einen Vergleich der Pflanzenliste von Johann Royer 1648 mit den Vorkommen Anfang des 21. Jahrhunderts versucht. Möglich wurde das durch die detaillierten Angaben von Werner Illig aus Ilsenburg.
(unbenannt)

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