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KARTOFFELN IM HESSENER LUSTGARTEN
 

Kartoffeln im Hessener Lustgarten und die Kartoffelvase

Johann Royer verzeichnet in seiner Liste der von 1607 bis 1630 im Hessener Garten gezeugten Pflanzen eine „Papas Indorum Tartuffoli Italis“. Die Experten haben diese Pflanze als Solanum tuberosum L., die Kartoffel bestimmt.
Im Kapitel „Wie und wenn man die führnehmen Gewächse, so in der Küchen zu gebrauchen sind, erziehen, verpflanzen und warten soll“ seines Buches „Beschreibung des ganzen Fürstl: Braunschw gartens zu Hessem“ schreibt er über die Tartuffeln: „Die Tartuffeln werden in der Fasten mit dem vollen Monden-Schein in ein feistes/ mürbes und Sandiges Erdreich gepflanzet/ Gegen den Winter aber/ wenns anfangen will zu frieren/ werden sie ausgegraben und im Keller mit Sande verwahret/ daß man sie zur Speise brauchen könne.“

Weiter über die „Gemeine Erd-Äpfel“: „Die anderen Erd-Äpfel/ so man ErdArtischocken oder Knollen nennet/ die dürffen keine sonderliche Wartung/ wachsen wol in einem Winckel/ und können den Frost wol leiden/…“

Hierbei handelt es sich um den Topinambur, dessen Knollen in der Erde winterhart sind.
Herr Leonhardi irrt sich also, wenn er 1797 in seinem Buch „Ueber den Kartoffelanbau in Großbritannien“ schreibt: „Allein im Voigtlande führte man den Kartoffelanbau erst 1750 ein; in Westphalen und Niedersachsen aber gegen das Jahr 1740. Denn die von Johann Royer *) zu Hessen im Braunschweigischen erwähnten Tartuffeln **) sind ein von den Kartoffeln ganz verschiedenes Gewächs.
**) Nämlich die sogenannten Erdäpfel, Erdartischocken- Helianthus tuberosus- Engl. Jerusalem Artischocke- Franz. Topinambours“

Johann Royer gibt in einem weiteren Kapitel „Wie man unterschiedliche Vornehme Garten-Gewächse in der Küchen vielfältig nützen und zubereiten solle“ erste Rezepte für Gartengewächse.
„Von den Erdäpffeln oder ErdArtischocken oder Knollen/ und von den Tartuffeln kann man auch gute Essen zubereiten…“
Die Erdartischocken oder Knollen/ weil die nun so gemein geworden/ daß sie fast ein jeder Baur im Garten hat…so achte ich unnötig/ hiervon zu schreiben.“

Mit Erdartischocken oder Knollen ist wieder der Topinambur gemeint, Kartoffeln waren hingegen eine Rarität zu dieser Zeit.
In mehreren älteren Büchern fand ich Hinweise auf den Kartoffelanbau in Hessen am Fallstein.
So steht 1803 in der Zeitschrift „Neues Hannoverisches Magazin“ (13. Jahrgang, 87tes Stück vom 31. Oktober 1803) ein „Beitrag zur Geschichte der Kartoffeln von G: F: K: von Hannover“. Der Autor widmet sich ausschließlich Royer und dessen Buch, besonders in Bezug auf die Kartoffeln. Ein Ausschnitt:
„Indem ich dieses Buch durchblätterte, fand ich wider meiner Erwartung an mehreren Stellen die Tartuffel genannt. Ich glaubte anfangs, dass Royer mit diesem Namen ein anderes Gewächs als unsere Kartoffeln bezeichne; allein ich wurde bald überzeugt, dass hier von den letzteren die Rede sey, dass diese Erdfrucht schon damals im Braunschweigischen, wenigstens im Garten zu Hessem, gebauet sey, und auch das man sie gegessen habe.“
1806 geht es in „Grundsätze der teutschen Landwirtschaft“ (von Johann Beckmann, Göttingen) ebenfalls um die Kartoffel:
„1647 wurden sie schon in dem Garten zu Hessem, 3 Meilen von Wolfenbüttel, gezogen.
Der Gärtner Joh. Royer lehrte ihre Cultur und Nutzung in seiner Beschreibung des .....
1648. 4. auch 1658. 4. S. 63, 104“

Das „Neue Hannoversches Magazin“ bringt im 19. Jahrgang vom 15. Mai 1809 einen weiteren Beitrag über Johann Royer, auch zum Thema Kartoffel:
„Es ist bereits anderswo in diesem Magazin bemerkt, dass unter den Gewächsen die Royer in seinem Gartencatalog aufführt schon die Kartoffeln (Solanum tuberosum) erscheinen, deren erste Ankunft in Niedersachsen gewöhnlich später datirt wird.“

Ein interessanter Beitrag zum Thema Royer und die Kartoffeln steht 1818 im „Allgemeinen Anzeiger der Deutschen“ (Nr.218, 13. August). Hier ein Ausschnitt, der gesamte Artikel ist interessant.
„Schon im Jahre 1647 wurden die Kartoffeln in dem Garten zu Hessen, 3 Meilen von Wolfenbüttel, gezogen. Den Anbau und die Benutzung derselben lehrt der Gärtner Royer in seiner Beschreibung des Gartens zu Hessen, 1648. 4. ; auch 1658 4. S. 63, 104. Diese deutsche Schrift ist also viel älter, als die erste in England erschienene Schrift über Kartoffeln: England`s happiness increated, or
a remady against dear years, by a plantation of patatoes. 1664. 4 (vermutlich von Buckland)....“

Interessant auch die Information in dem 1830 in Weimar veröffentlichten Buch
„Neue Allgemeine Geographische und Statistische EPHEMERIDEN „
„- Merkwürdig ist der Herzogl. Lustgarten bei dem Dorfe Hessen am Fallsteine, im Kreisamte Scheppenstedt, weil darin in Deutschland die ersten Kartoffeln, die Franz Drake 1586 aus Amerika mitbrachte, und wovon der Herzog 5 Stück von dem Könige von England zugesandt erhielt, gezogen worden sind und zwar in Blumentöpfen.“
Eine ähnliche Information fand ich nur noch im Buch „Beschreibung der Erde…“ (Stuttgart 1838):
„Hessen, am Fallstein, auf der Straße von Braunschweig nach Leipzig, 1500 Einw. Auf dem dortigen Schlosse, jetzt Wohnung eines Domänenpächters, wohnten in früheren Zeiten häufig braunschweigische Herzoge. Der zu demselben gehörige Lustgarten ist dadurch merkwürdig, daß hier 5 von den Kartoffeln, welche Franz Drake mit nach Europa gebracht, in Blumentöpfen gepflanzt wurden. Es waren die ersten in Deutschland.“

Heute ist bekannt, dass hier nicht die ersten Kartoffeln in Deutschland angebaut wurden.
Leider konnte ich keinerlei Hinweise finden, ob im Hessener Lustgarten von Royer eine Kartoffel in der so genannten „Kartoffelvase“ kultiviert wurde. Es ist auch bisher keinerlei Hinweis zu finden, dass eine derartige Vase zu dieser Zeit im Lustgarten stand. Die Vase stand viele Jahre im Schlosspark (dem ehemaligen Küchengarten). Sie steht jetzt im Gelände des Elisabeth-Stifts (Foto).

Joachim Däumler
Hessen 2012




 

Kartoffelvase 




 

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