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DIE ALOE
 

Die Aloe americana (Agave americana Linn.), eine wahrhaft fürstliche Pflanze

In Royers Liste der Pflanzen von 1607 bis 1630, Abschnitt 3. Planta fibrosa [Stauden mit Faserwurzeln] ist auch die „Aloë Americana“ aufgeführt.

Diese Pflanze stammt ursprünglich aus Amerika und kam im 16. Jahrhundert nach Europa. Joachim Camerarius beobachtete sie schon 1561 in einem Garten in Padua und 1588 wuchs eine solche Pflanze in Nürnberg in seinem Garten. 1576 wurde sie erstmals von Carolus Clusius als Aloe americana beschrieben. Im Jahr 1583 soll eine solche Pflanze erstmals nachweislich geblüht haben und zwar in Pisa. Im Hortus Eystettensis wird 1613 erstmalig eine farbige Abbildung gezeigt.

Es war eine außergewöhnliche Kunst, diese Pflanze zu kultivieren und zur Blüte zu bringen. Die Pflanze blüht erst nach vielen Jahren, muss also sehr lange bei guten Bedingungen gepflegt werden. Besonders die Überwinterung war eine Herausforderung. Die Pflanze musste in geschützten Häusern oder Räumen untergebracht werden. Meist wurde sie in Kübel gepflanzt.




 

Silbermedaille - auf die Blüte einer Aloe in Salzdalum 1701 (Durchmesser 59 mm, Gewicht 78,54 g) / Copyright bei Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig




 

Georg Henning Behrens schreibt in seiner 1703 erschienenen „Hercynia Curiosa oder Curiöser Hartz=Wald“ von dieser Pflanze im Hessener Lustgarten.
„…In diesem Lust-Garten hat vor diesem die Americanische Aloë zum öfftern geblühet, und habe ich solche daselbst unterschiedene mahl floriren gesehen; es ist aber dieselbe nunmehro mit andern raren Gewächsen nicht mehr so häuffig alhier anzutreffen, weilen dieser Garte nicht mehr in solchem Stande ist, indem er von der Residentz der Gnädigsten Herrschafft zu weit ab- hingegen der unvergleichliche Garte zum Saltz-Thal näher lieget,..“

Thomas Scheliga vermutet, dass Aloe-Pflanzen aus dem Hessener Lustgarten in den Lustgarten nach Salzdalum gebracht wurden. Er fand in Oranienbaum Archivunterlagen aus dem Jahre 1677, die diesen Schluss zulassen:
"Der hisige Lustgertner M: Maximilian hat berichtet, das die Aloe
nunmehr so groß, das selbige in der Cammer da Sie des Winter bisher
gestanden, demnechst nicht bleiben könte, die gnedigste Herschafft…
Heßem den 25. Arpilis
Anno 1677
Ihro Hochrfrstl Durchl:
Georg Meyer [Amtmann zu Hessen]“

Lt. Scheliga hatte Herzog Anton Ulrich zu dieser Zeit bereits die Unterstützung für den Hessener Lustgarten eingestellt.




 

Silbermedaille - auf die zweite Blüte der Aloe 1720 (Durchmesser 48 mm, Gewicht 43,56 g) / / Copyright bei Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig




 

Überliefert ist, dass in Salzdalum 1701 eine Aloe geblüht hat. Ihr zu Ehren wurde eine Silbermedaille geprägt (Bild 1).
Die Vorderseite zeigt eine blühende Aloe in einem Kübel. Aus dem lateinischen Text auf der Rückseite erfahren wir, dass die Pflanze am 3. Oktober 1701 im Alter von 23 Jahren geblüht hat. Der Blütenstängel war 36 Fuß hoch mit 40 Zweigen und 6166 Blüten.
Herzog August ließ 1720 ebenfalls eine Silbermedaille aus Anlass der Blüte einer Aloe in Salzdalum prägen (Bild 2).
Die Vorderseite zeigt eine blühende Aloe zwischen zwei Dattelpalmen. Die Inschrift der Rückseite überliefert, dass kurz vor dem 1. Mai die Pflanze einen Stängel mit Knospen trieb. Um den 5. August war sie 25 Fuß hoch und mit 38 Zweigen besetzt. Im September hatte sie 1304 Blüten.

(Die Münzen sind im Besitz des Herzog Anton Ulrich Museum Braunschweig. Die Bilder sind aus dem wunderbaren Buch „Braunschweigische Münzen und Medaillen- 1000 Jahre Münzkunst und Geldgeschichte in Stadt und Land Braunschweig“ von Dr. Leschhorn)

Im 18. Jahrhundert machte ein besonderer Turm im Zerbster Schlossgarten auf sich aufmerksam: ein Turm für die Aloe americana. 1728 waren die Pflanzen schon so groß, dass sie nicht mehr umgesetzt werden konnten. Es wurde um die Pflanzen ein Turm errichtet. 1732 war einer der Türme defekt und es wurde nach einem Entwurf des Hofgärtners Unger ein achteckiger Turm aus Holz und Glas errichtet. In Höhe der Blüten befand sich ein Umgang. So konnte man die herrlichen Blüten besonders gut betrachten. Weil jede Agave nur einmal blüht und dann abstirbt, mussten ständig neue Pflanzen herangezogen werden. 1743 fanden sich im fürstlichen Lustgarten Zerbst allein 16 „Aloe americana“.
1752 findet sich dort der letzte Hinweis auf eine blühende Agave.

Den imposanten Pflanzen wurden auch ganze Bücher gewidmet.
So erschien 1782 ein Buch von Dr. Johannes Dominicus Schultze anlässlich der im Hamburger Ratsapothekergarten blühenden „Amerikanische Aloe“.
„Die Seltenheit der Blüthe, und das Prachtvolle ihres Wuchses, waren ohnstreitig ehemals in unsern Gegenden ihre größte Empfehlung, und der Grund, daß man jener Erscheinung, der Nachwelt aufzuzeichnen, werth gehalten.
…haben Dichterlinge und Kupferstecher, Mahler, und so gar Polemiker, sie besungen, gezeichnet, gestochen und bestritten; der Naturallist aber sie sorgfältig den Annalen der Natur einverleibt.“
Eine eingefügte Tabelle listet alle ihm bekannten Pflanzen, welche geblüht hatten, auf. Wenn bekannt auch Angaben zu Alter, Größe, Anzahl der Blüten und den Quellen.
Demnach hatte 1582 eine Pflanze in Stuttgart 12000 Blüten, in Schlieben(Thüringen) blühte 1669 eine 49 jährige Pflanze mit 4610 Blüten und 1742 hatte in Obergräz eine Aloe americana14264 Blüten und war 28 Jahre alt.

1800 erschien ein Buch von Benedict Christian Vogel, Professor der Botanik und Heilkunde zu Altdorf, mit dem Titel: „Über die Amerikanische Agave und besonders diejenige welche im Sommer 1798 im Botanischen Garten zu Altdorf geblühet und auch Früchte angesetzt hat“.



Quellen:

Behrens, Georg Henning; Hercynia Curiosa oder Curiöser Hartz=Wald, Nordhausen, 1703

Herrmann, Dirk; Schloß Zerbst in Anhalt, Fliegenkopfverlag Halle, 1998 (www.schloss-zerbst.de/html/publikationen/aloe.htm)

Leschhorn Dr., Wolfgang; Braunschweigische Münzen und Medaillen- 1000 Jahre Münzkunst und Geldgeschichte in Stadt und Land Braunschweig“, Appelhans- Verlag Braunschweig, 2010
ISBN- Nr. 978-3-941737-22-8; Informationen auch unter www.braunschweigisches-kunsthandwerk.de

Scheliga; Schloss und Lustgarten in Hessen am Fallstein, Dissertation, 2002

Schulze Dr.; Johannes Dominicus, Ueber die große Amerikanische Aloe richtiger Agave bey Gelegenheit der jetzt im Raths=Apotheker=Garten blühenden“, Hamburg 1782 (www.books.google.de)

Vogel, Benedict Christian; Über die Amerikanische Agave und besonders diejenige welche im Sommer 1798 im Botanischen Garten zu Altdorf geblühet und auch Früchte angesetzt hat, Altdorf und Nürnberg, 1800 (www.books.google.de)

Wikipedia



Das Copyright für die Bilder 1 und 2 liegt beim Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig.
Ich bedanke mich ganz herzlich für die Reproduktionsgenehmigung.

Joachim Däumler, Hessen 2012




 

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